Justizvollzugsanstalt mit Haftkrankenhaus am Samstag, 10. September 2022

Unser Wunsch die JVA in Leipzig zu besuchen, ist schon seit Jahren geplant, aber wegen Quarantäne (erst Krippe danach Corona) verschoben wurden. Durch den persönlichen Kontakt von Regina und Achim Reiche zum Direktor des Hauses bekamen wir die Möglichkeit, mit 15 Personen an einer Führung am 10. September teilzunehmen. Wir mussten die Kontaktadressen von allen Teilnehmern vorher einreichen.

Am Tag der Führung trafen wir uns 15 Minuten vor Beginn zur Dokumentenkontrolle, mussten unser Gepäck, Hausschlüssel und Telefone im Tresor einschließen und gingen durch die Sicherheitskontrolle über den Besuchereingang in das Objekt.

Die gesamte Gruppe waren 70 bis 80 Personen. Wir wurden vom Direktor des Hauses begrüßt, das gesamte Gelände umfasst ca. 10 ha. und wurde auf dem Komplex des ehemaligen Haftkrankenhauses nach der Wende als Neubau errichtet. Die beiden Häuser des Krankenhauses stehen unter Denkmalschutz und sind noch unsaniert.

Neu errichtet wurden:

  1. Zwei sechsgeschossige Gebäude zur Unterbringung der Häftlinge mit einem Verbindungsgang
  2. Eingangsgebäude mit Zufahrt und Einfahrtschleuse
  3. Ein Verwaltungsgebäude
  4. Küchenkomplex und Wäscherei
  5. Mehrfeldsporthalle
  6. Sechs Meter hohe betonierte Einfassung auf der Straßenseite und Stahlgitterzaun auf der Feldseite mit innen angebrachten Elektroübersteigschutz
  7. Freifeldsportplatz sowie ein Platz für Besucherempfang im Freien

In dieser JVA sind nur männliche Straftäter bis zu einer Haftdauer von max. vier Jahren untergebracht, auch Untersuchungsgefangene für kurze Zeit.  Insgesamt sind 450 bis 500 Häftlinge einquartiert, dem gegenüber stehen 250 Angestellte. Der tägliche Kostenaufwand pro Häftling beträgt 170,00 Euro.

Nach dieser allgemeinen Information trennten sich die Gruppen und wir Blinden und unsere Begleiter wurden vom Direktor durch die Häuser und Freiflächen geführt, der Besucherbereich ist im Verwaltungstrakt untergebracht, bei schönem Wetter kann man sich auch im Freien treffen. Die eigenen Kinder dürfen den Vater gemeinsam mit der Mutter besuchen. Für schwierige Fälle gibt es einen Extrabesucherraum mit Unterhaltung durch eine Glasscheibe.  Der Haftbereich konnte nur durch ein zusätzliches Gittertor betreten werden. Wir sahen die Kleiderkammer, hier werden die Häftlinge komplett neu eingekleidet, mitgeführte Gegenstände z.B. Schlüssel, Geld, Werkzeug, Diebesgut und sonstiges werden gesondert gelagert, sie können nach Festlegung des Gerichtes an die Angehörigen oder Besitzer übergeben werden. In zwei Ausbildungsräumen haben die Inhaftierten die Möglichkeit eine Qualifizierung am Computer oder zur Elektro-Hilfskraft mit Zertifikat zu erwerben, der Lehrgang dauert mindestens zehn Wochen. Wir konnten die unbelegten Räume für besondere Anforderungen (aggressiv, selbstmordgefährdet usw.) betreten, sahen den Andachtsraum und hörten von dem großen medizinischen Bereich mit angeschlossenem Krankenhaus.

Auf dem Weg zur Zweifeld-Sporthalle sahen wir nördlich der Hauptachse den Freilandsportplatz und in östlicher Richtung die beiden unsanierten Häuser des alten Haftkrankenhauses. Weiter in dieser Richtung befindet sich außerhalb der Umfassungsmauer an der Chemnitzer Straße ein umgebautes Wachgebäude, wo Häftlinge mit Freigang bei guter Führung untergebracht werden. Der Ausgang soll zur Wiedereingliederung in das öffentliche Leben dienen (Arbeit, Wohnung, Familie usw.). In der Sporthalle war ein Imbiss mit Kaffee, Kuchen, Würstchen usw. vorbereitet, und wir hatten die Möglichkeit den Bediensteten weitere Fragen zu stellen. Unsere Gesamtbesuchszeit dauerte 2,5 Stunden.

Wir bedanken uns bei dem Direktor Rolf Jacob und seinen Mitarbeitern für die interessante und aufschlussreiche Führung.

Am 4. November 2022 erarbeitet
Wolfram Ehms

 

XV. Landesdelegiertenkonferenz November 2022

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V. (BSVS) tagte vom 4. bis 5. November 2022 in Dresden. Bei der Landesdelegiertenkonferenz (LDK) wurde die 8. Wahlperiode beendet und mit der Wahl des neuen Landesvorstandes die 9. Wahlperiode begonnen.

An beiden Tagen wurden viele wichtige Themen des BSVS e.V. besprochen, unter anderem, wie es um die einzelnen Einrichtungen: dem Landeshilfsmittelzentrum (LHZ), Seniorenheim Rochsburg und der Aura-Pension Villa Rochsburg des Verbandes steht.

Außerdem waren Gegenstand der LDK die Datenschutzbelehrung, der Jahresabschluss 2021, die Berichte der Finanzprüfer, der Tätigkeitsbericht des Landesvorstandes sowie die Beschlussfassung des Haushalts- und Stellenplans.

Die Vorstellung der neuen Satzung erfolgte durch die Satzungskommission. In der Diskussion zu einzelnen Punkten wurden alle Fragen geklärt und letzte Konkretisierungen abgestimmt, sodass unsere neue Satzung mit großer Mehrheit beschlossen werden konnte.

Ein Podiumsgespräch war ein sehr spannender Teil des Abends, in der uns Herr Welsch, Inklusionsbeauftragte des Freistaates Sachsen, und Frau Lutzenberger, Mitglied des DBSV-Präsidiums, Rede und Antwort standen. Einladungen dazu erhielten auch die Mitglieder der verschiedenen Fraktionen, sowie das Finanz-, Wirtschafts- und Sozialministerium. Leider konnten diese aus terminlichen und gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Wir hatten trotzdem genügend Diskussionsstoff und somit einen gelungenen Abend für ALLE.

Am Samstag war es denn auch so weit, dass die Wahlen eines neuen Landesvorstandes und der Finanzprüfer anstanden. Es war ein langer Weg dorthin, da in der letzten Wahlperiode einige Vorstandsmitglieder das Amt niederlegten, durch Nachwahlen wurden die Lücken im Vorstand neu besetzt.

Der BSVS e.V. kann nun stolz den neu gewählten Landesvorstand für die nächsten vier Jahre verkünden.

Vorsitzender wurde Andreas Schneider, seine beiden Stellvertreter sind Uwe Hauschild (1. stellv. Landesvorsitzender) und Daniel Martin (2. stellv. Landesvorsitzender). Ebenso wurden die Beisitzer Kathrin Geithner, Bernd Asmus und Wolfgang Freudenberg erneut in den Vorstand gewählt.

Abschließend wurden die Arbeitsschwerpunkte für die nächste Wahlperiode beschlossen.

Wir freuen uns sehr auf die anstehenden Aufgaben und hoffen weitere vier tolle Jahre gestalten zu dürfen.

Daniel Martin
2. Stellvertreter und Pressesprecher
des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen e.V.

Bericht zur Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2022

Organisation: Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V./ KO Vogtland – Frau Oltersdorf und Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Vogtlandkreis – Frau Nauruhn

10. Oktober 2022 Landratsamt Vogtlandkreis
Vortrag „Richtlinien zur sicheren Orientierung und Mobilität durch Informations- und Leitsysteme im öffentlichen Raum“ – Herr André Brendle

Die Veranstaltung richtete sich an interessierte Bürger und Betroffene, insbesondere aber auch an Fachkräfte im Bau- und Planungswesen. Der Referent, Herr André Brendle, Fachgruppenleiter der Fachgruppe Umwelt, Verkehr und Tourismus im BSVS. Er ist selbst hochgradig sehbehindert und im Alltag auf seinen Blindenlangstock angewiesen.

Nach einer kurzen Erläuterung zu seiner Person sowie beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit stieg Herr Brendle in seinen Fachvortrag ein. Zunächst erklärte er im Allgemeinen die Notwendigkeit von Informations- und Leitsystemen im öffentlichen Raum und veranschaulichte den Bedarf anhand eigener Erfahrungen als Betroffener. Neben der Benennung und Erläuterung der entsprechenden DIN-Normen, die bei der Planung und beim Bau im öffentlichen Raum zur Anwendung kommen müssen, erklärte Herr Brendle konkret an Beispielen, weshalb Barrierefreiheit so wichtig ist und welche Schwierigkeiten und Gefahren bei Nichteinhaltung für die betroffenen Nutzer der Leitsysteme entstehen können.

Anhand der Modelle von Haltestellen und Straßenkreuzungen demonstrierte Herr Brendle sehr anschaulich die korrekte Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Des Weiteren zeigte er Möglichkeiten von Informations- und Leitsystemen in Gebäuden anhand verschiedener Beschilderungen mit Punktschrift und erhabener Profilschrift sowie Modelle von Bodenindikatoren.

Zwischendurch wurden viele Fragen der Zuhörer beantwortet und die Veranstaltung endete nach ca. zwei Stunden in einem lockeren Austausch zwischen dem Referenten und den ca. 20 Teilnehmern.

11. Oktober 2022 Plauener Straßenbahn GmbH
„Blindheit erleben“ bei einer Stadtrundfahrt mit Buchlesung in einer abgedunkelten Bahn

Zwei Tage lang waren Mitarbeiter der Plauener Straßenbahn GmbH beschäftigt, komplett alle Fenster einer Straßenbahn mit dickem schwarzem Stoff zu bekleben, um somit die völlige Dunkelheit in der Bahn zu schaffen. Dementsprechend groß war das Interesse von Bürgern, bei diesem Erlebnis dabei zu sein.

Etwa 50 Fahrgäste folgten dem Aufruf „Blindheit erleben“, darunter auch viele Jugendliche. Während der gesamten Fahrt nicht zu wissen, wo man sich gerade befindet, war für einige ein beklemmendes Gefühl. Als Unterhaltungsprogramm las Frau Sieglinde Röhn während der Rundfahrt mithilfe einer Taschenlampe mundartliches aus dem Vogtland vor.

Anschließend war Herr André Brendle an der Reihe. Er benötigte zum Vorlesen keine Lichtquelle, denn er ist selbst Nichtsehend und las aus einem Blindenschriftbuch vor. Im Anschluss erzählte er den interessierten Bürgern viel Wissenswertes über die Blindenschrift und von seiner Schulzeit in der Blindenschule. Auch einige Hilfsmittel hatte Herr Brendle zum Ausprobieren dabei. Die Fahrgäste waren von seinen Ausführungen sehr beeindruckt und stellten im Anschluss noch viele Fragen.

Die einstündige Stadtrundfahrt war ein kurzweiliges und intensives Erlebnis für alle Beteiligten.

12. Oktober 2022 Filmtheater Capitol Plauen „Wieder mal ins Kino!!! Mit Arztvortrag“

Die Öffentlichkeit wurde eingeladen zum Erleben eines Kinofilmes mit Audiodeskription.

Etwa 20 Kinobesucher mit und ohne Sehbehinderung fanden sich zu dem bekannten Kinofilm ZIEMLICH BESTE FREUNDE im barrierefreien Kinosaal des Filmtheaters Capitol in Plauen ein. Die sehenden Kinobesucher wurden im Vorfeld gebeten, während des Filmes für einen Moment die Augen zu schließen, um zu erleben, wie blinde und sehbehinderte Menschen einen Film wahrnehmen.

Die Notwendigkeit der akustischen Bildbeschreibung sollte mit dieser Veranstaltung verdeutlicht und insgesamt über Audiodeskription informiert werden. Für einige sehbehinderte Kinobesucher war es das erste Hörfilmerlebnis. Aufgrund der Bildbeschreibung konnten sie die visuellen Vorgänge besser wahrnehmen und somit den Filminhalt vollumfänglich erfassen. Die Resonanz war durchweg positiv und es konnte ein fröhliches und unterhaltsames, für alle zugängliches Kinoerlebnis geschaffen werden.

Im Anschluss des Kinofilmes referierte der Chefarzt der Augenklinik Plauen, Herr. Dr. Dirk Ehrich, zum Thema „Vorbeugung von Augenerkrankungen – was ist gut für mein Auge und was nicht?“ Der einstündige Vortrag stieß auf großes Interesse und für Fragen nahm sich Herr Dr. Ehrich nach seinen Ausführungen viel Zeit.

15. Oktober 2022 Internationaler Tag des weißen Stockes „Ich wandre ja so gerne…“

Entlang der Flusslandschaft der Weißen Elster führte der diesjährige westvogtländische Wandertag. Wie jedes Jahr wurden drei Strecken vom Veranstalter (Fremdenverkehrsverein Rosenbach e.V.) angeboten: Eine lange Tour über 20 Kilometer, eine Strecke über zehn Kilometer und eine geführte Minitour über drei Kilometer, die für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen gut geeignet war.

Die „kleine“ Wanderung startete 11.00 Uhr ab dem Wanderparkplatz in Kürbitz an der Elsterbrücke und führte über den Elsterradweg nach Weischlitz. Mit der Teilnahme blinder und sehbehinderter Menschen bei der Minitour fand die Woche des Sehens mit dem Internationalen Tag des weißen Stockes ihren Abschluss. Die Arbeit des Blindenführhundes „Lenz“ wurde vorgestellt, Simulationsbrillen und der Blindenlangstock konnten von interessierten Wanderteilnehmern ausprobiert werden. Die Versorgung mit Tee und Fettbroten war bei dem nassen Wetter ein gelungener Motivationsschub auf halber Strecke. Am Zielpunkt „Am Alten Gut“ in Weischlitz angekommen, strahlte später die Sonne vom Himmel und es folgte am Nachmittag ein geselliger Abschluss mit Musik, leckerem vom Grill, Kaffee und Kuchen.

Mehr als 300 Wanderer, verteilt auf die drei Strecken, starteten an diesem Tag. Das Angebot der Selbsterfahrung mit Simulationsbrille wurde genutzt und einige Menschen lauschten auch einfach nur den Gesprächen zwischen Betroffenen und interessierten Teilnehmern.

Eine erfolgreiche Woche des Sehens 2022 und alle Mitwirkenden freuten sich über eine gelungene Veranstaltungswoche.

Katja Oltersdorf
Beratungsstellenleiterin KO Vogtland

Westsächsische Blindenselbsthilfe feiert 120-jähriges Jubiläum

Die Richtigkeit eines Zusammenschlusses von blinden Menschen erkannten die Gründer des Westsächsischen Blindenvereines.

Es ist notwendig, die Belange der Menschen mit Sehbeeinträchtigung Behörden, Instituten und der Öffentlichkeit nahezubringen. Nur gemeinsam kann man etwas erreichen. Das war früher so und heute ist das noch genauso wichtig.

Wir müssen unsere Interessen vor Ort, landes- und bundesweit vertreten. In Sachsen kämpfen wir jährlich um die Anpassung der Nachteilsausgleiche. Wir beraten gern im Landkreis und interessierte Unternehmen und Mitbürger über die Belange von Sehbehinderten und Blinden. .

Am 19. November 1902 wurde der Westsächsische Blindenverein in Crimmitschau gegründet. Es war ein regional agierender Verein, kein Ortsverein.

Es gehörten die Ortschaften Crimmitschau, Werdau, Mylau, Netzschkau, Reichenbach, Meerane, Glauchau, Lichtenstein, Lößnitz, Waldenburg, Callenberg, Hohenstein-Ernstthal und Zwickau an. Aus heutiger Sicht der Landkreis Zwickau bis auf wenige weitere Ortschaften.

Der Vorsitzende am 19.11.1902 war der Korbmacher und Händler Karl Seidel, Reichenbacher Str. 3 in Werdau.

Geschäftsführer war der Bürgerschullehrer Nestler aus Crimmitschau, wo auch der Sitz des Vereins war.

Es wurden fünf Veranstaltungen im Jahr durchgeführt. Durch den gemischten Chor und der Rezitatoren-Gruppe war die Präsenz in der Öffentlichkeit gegeben, da sie anscheinend gern gebucht wurden.

Der Verein war in der Lage einen Hilfsfonds zu unterhalten, der Zuwendungen an sozial Schwächste ermöglichte.

Der Westsächsische Blindenverein war aktiv am Aufbau der Blindenselbsthilfe des Königreich-Sachsen beteiligt, bis hin zur Gründung des Blindenvereins am 3. März 1912 in Bautzen. Gründer waren die Vereine:

  • Verein der erwerbtreibenden Blinden von Leipzig und Umgebung
  • Leipziger Blindenvereinigung
  • Blindenverein für Dresden und Umgebung
  • Christlicher Dresdner Blindenverein „Trost im Leid“
  • Westsächsischer Blindenverein (Sitz Crimmitschau)

Im Juli 1912 wurde der Reichsdeutsche Blindenverband in Braunschweig gegründet, wo die Sachsen schon mit Delegierten vom Landesverein vertreten waren.

Durch die Gründung von Ortsblindenvereinen, 1908 Zwickau Verein der Blinden von Zwickau Umgebung, 1909 Plauen Verein der Blinden von Plauen und UmgebungWurde der Westsächsische Verein geschwächt. 1914 gab es dennoch noch 81 Mitglieder.

Die Interessen gegenüber den Verwaltungen in den Ortschaften wurden durch die Ortsvereine zielgerichteter wahrgenommen, um ihre Mitglieder zu vertreten.

Dies ist heute noch so und wir wünschen uns, dass der Gedanke und die Einsicht von damals, uns weiterhin neue Interessierte und Mitglieder erreichen lässt.