Erklärung des Landesvorstandes zur aktuellen Situation und Landesdelegiertenkonferenz

Das Jahr 2020 hat die ganze Welt vor eine bisher nie dagewesene Herausforderung gestellt. Es muss davon ausgegangen werden, dass diese uns noch eine nicht absehbare Zeit weiter beschäftigen wird.

In diesem Jahr wird die Arbeit in unserem Verband zunehmend vom Reagieren auf die sich fast täglich ändernden Bedingungen geprägt, die uns das Coronavirus diktiert.

So müssen wir heute leider feststellen, dass viele geplante Aktivitäten zur Verbesserung der Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Sachsen nicht oder nur zum Teil realisiert werden konnten. Die Gespräche mit der Politik zu den Nachteilsausgleichen konnten nicht fortgesetzt werden und auch unsere Öffentlichkeitsarbeit wurde stark eingeschränkt.

Trotz der widrigen Umstände ist das Verbandsleben, dank vieler engagierter Mitglieder, in den Kreisorganisationen, Regional- und Fachgruppen, verantwortungsvoll weitergeführt worden. Das Gleiche gilt auch für unsere BPA-Beratungsstellen.

Für das Landeshilfsmittelzentrum, die Aura-Pension Villa Rochsburg, die Blickpunkt Auge Beratung und unsere Koordinierungsstelle in Dresden erhöhte und verkomplizierte sich durch Homeoffice, Hygienekonzept und Arbeitsaufwand die Arbeit ständig. Trotzdem waren sie immer für uns da.

So wurden in dieser Zeit auch neue Konzepte für die telefonische Beratung entwickelt, eingeführt und perfektioniert. Der Zuspruch und die Nutzung dieser neuen Möglichkeiten zeigen, dass wir damit nicht nur auf dem richtigen Weg sind, sondern auch eine zukunftssichere Art der Selbsthilfearbeit einführen konnten.

Allen Beteiligten gilt unser aller Dank und Anerkennung für Ihren Einsatz!

Aufgrund der Sächsischen Coronaschutzverordnung vom 30. Oktober 2020 können wir unsere Landesdelegiertenkonferenz (LDK) nicht wie geplant und vorbereitet am 7. November 2020 im Dorint-Hotel Dresden durchführen.

Der Landesvorstand hat deshalb beschlossen, die LDK in schriftlicher Form durchzuführen. Die Grundlage für dieses Vorgehen bildet die Sächsische Coronaschutzverordnung vom 30. Oktober 2020 in Verbindung mit dem Beschluss der Bundesregierung vom 27. März 2020.

Die LDK wird in der minimal möglichen Form organisiert. Das heißt, es werden nur die Abstimmungen vorgenommen, die für die weitere Arbeit unseres Verbandes unbedingt notwendig sind.

Anträge an die LDK sind bei dieser schriftlichen Durchführung nicht möglich, da auftretende Fragen nicht diskutiert werden können. Daher sind diese für die nächste LDK neu zu stellen. Unabhängig davon wird an der Klärung der Sachverhalte gearbeitet und die Antragsteller werden informiert.

Zusätzlich zu den schon versendeten Unterlagen ist eine Zusammenfassung des Jahresabschlusses 2019 des BSVS in Auftrag gegeben und wird Ihnen zeitnah zur Verfügung gestellt.

Ein Tätigkeitsbericht für den Zeitraum bis Ende 2020 wird für die LDK im 1. Halbjahr 2021 erarbeitet.

Der genaue Zeitplan für den Ablauf der LDK wird bis 6. November 2020 bekannt gegeben, da noch einige Vorabstimmungen notwendig sind. Unser Ziel ist es, die LDK bis zum 15. Dezember 2020 abzuschließen.

Wir bitten um Ihr Verständnis für diese außergewöhnliche Maßnahme und erwarten Ihre tatkräftige Unterstützung!

Ihr Landesvorstand

Segeln mit blinden und sehbehinderten Menschen

„Wenn blinde und sehbehinderte Menschen Auto fahren können, dann könnt Ihr doch auch Segeln.“ Dieser Satz von Helfried Haupt (CYCM) im Jahr 2019 zu seinem Freund Jens Fritzsch (BSVS e.V.) stand am Anfang des Segeltages.

Die Bildaufnahme erfolgte in der Normalperspektive. Das Bild baut sich von vorn nach hinten in drei folgende Teile auf: ein dunkelblauer See auf dem drei Segelboote versetzt von links nach rechts fahren. Ein weiteres Segelboot kommt von hinten auf den Bildbetrachter zugehfahren. Angrenzend an den See befindet sich eine Waldkante. Dahinter ist blauer Himmel mit dunkelblau-weißen Wolken, welche von der Sonne angestahlt werden.
Foto © Freytag-Liebing

Aus der Idee folgte die Umsetzung, so ging es für 20 Mitglieder des BSVS e.V. am 27. August 2020 an den Cospudener See zum Segeln. Klar standen vorher viele Fragen offen. Wie kommt ein blinder Mensch auf ein wackeliges Segelboot? Was, wenn Jemand ins Wasser fällt? Hat man Angst bei Schräglage oder wenn man sich auf so kleiner Fläche nicht orientieren kann? Wie lässt sich der Tag unter Corona Bedingungen durchführen?
Mit Katrin, einer unerschrockenen blinden Frau, konnten wir 14 Tage vor dem Segeltag erst einmal testen, worauf die Skipper achten und sich die blinden und sehbehinderten Mitglieder einstellen müssen. Viele wertvolle Hinweise nahmen wir für die Veranstaltung mit.

Getroffen haben wir uns am Vereinsheim des Cospudener Yacht Club Markkleeberg e.V. Uns wurde kurz etwas zur Geschichte des Vereins erzählt. Anschließend verinnerlichten alle Beteiligten die ausgearbeiteten Hygieneregeln. Wir erhielten die Einweisung, was beim Segeln zu beachten ist, sowie unsere Schwimmwesten. Zunächst hatten Mitglieder des Segelvereins die tolle Idee, uns die Möglichkeit zu geben, an einem Optimisten Boot den Aufbau eines Segelbootes zu erfühlen. Ein junger Segelschüler erklärte alles, beantwortete unsere Fragen und auf einer Schautafel konnten verschiedene Seemannsknoten ertastet werden.

Das Bild ist aus der Froschperspektive aufgenommen. Im Zentrum des Bildes befindet sich ein Optimist, welches ein Segelboot für Kinder und Jugendliche mit nur einem Segel ist. Um dieses Boot stehen fünf blinde und sehbehinderte Menschen, welche den Aufbau eines Segelbootes erfühlen und ertasten. Ein Segelschüler zeigt und erklärt den Interessierten. Im Hintergrund befinden sich weiße Holzhäuser mit roten Dächern und am rechten mittleren Bildrand stehen Segelboote auf Bootstrailern. Der Himmel ist blau und hinter den dunkelblau-weißen Wolken kommen Sonnenstrahlen durch.
Foto © Freytag-Liebing
Die Bildaufnahme erfolgte aus der Normalperspektive. Der Hauptteil des Bildes ist geprägt von einem Optimisten, das ist ein Segelboot für Kinder und Jugendliche. An diesem steht eine Frau, welche den Mast ertaste und mit der anderen Hand die Beschaffenheit des Bootes erfühlt. Ein Segelschüler steht neben ihr und erklärt ihr alles. Im Hintergrund des Bildes eine Hausfront mit Balkon. Das aus ist mit Holz quer vertäfelt. In beiden Balkontüren spiegelt sich der blaue Himmel mit weißen Wolken.
Foto © Freytag-Liebing

Danach ging es in Zweier- oder Dreiergruppen mit jeweils zwei erfahrenen Skippern auf elf Kielboote ins Wasser. Gleichzeitig startete das Rettungsmotorboot, gesteuert von Mitgliedern der Jugendgruppe des CYCM, um im Notfall für uns parat zu sein. An Bord erhielten wir eine knappe Einführung in die Segelgrundlagen und somit bekam jeder die Chance auch einmal selber das Boot zu steuern.

Das Bild ist aus der Normalperspektive aufgenommen und baut sich vom Vordergrund nach Hinten wie folgt auf: dunkelblauer See und eine grüne Waldkante nehmen ein Drittel des Bildes ein. Auf dem restlichen Teil des Bildes befindet sich blauer Himmel mit großen weißen Wolken. Ein Kielboot, mit leuchtendem weißem Großsegel, fährt im Bild von rechts nach links. An Bord sind ein Segelschüler, welcher auf dem Bug kniet und im Heck sitzen zwei erfahrene Skipper und zwei Segelneulinge. Versetzt hinter dem Kielboot fährt von links nach rechts das Rettungsmotorboot gesteuert von zwei Mitgliedern der Jugendgruppe des Cospudener Yachtclub Merkkleeberg e.V.
Foto © Freytag-Liebing

Unsere Bianca sagt über das Erlebte: „Das ist auch auf Leipzigs Seen möglich. Für mich kein ganz unbekannter Sport. Während meiner Schulzeit war ich schon einmal auf einem Segelboot. Erwartungen hatte ich nicht. Ich wollte Wasser, spürbaren Wind und vor allem Spaß. Alle drei Wünsche wurden erfüllt. Wir durften unser Boot steuern, es sogar in Schräglage bringen, das Segel bedienen oder einfach nur genießen. Ich könnte es mir immer wieder vorstellen.“

Das Bild ist aus der Normalperspektive aufgenommen. Auf einem gelben Kielboot mit weißem Segel sitzen zwei blinde Frauen und ein Skipper. Das Boot nimmt den Hauptteil des gesamten Bildes ein. So ist im Vordergrund das Heck bis Bug abgebildet und im linken Bildabschnitt ragt der Mast mit Baum und das Großsegel nimmt den oberen Teil des Bildes ein. Eine Seglerin sitzt vor dem Mast schaut nach rechts und umklammert mit beiden Armen ihren Rucksack. Die zweite sitzt an der Pinne und steuert das Boot. Der Skipper des Keilbootes sitzt ihr gegenüber, schaut mit einem lachenden Gesicht auf und winkt mit der rechten Hand. Im Hintergrund sind blaues Wasser, der Bug eines roten Keilbootes und schemenhaft Schilf und grünes Gras zu erkennen.
Foto © Freytag-Liebing

Beim anschließenden gemeinsamen Grillen am Vereinsheim, verabredeten sich bereits Mitglieder beider Vereine zu einer weiteren Fahrt. Schön, dass wir uns mit einem kühlen Getränk in der Hand nochmal alle über das erlebte austauschen konnten. Da gab es auch einiges zu berichten. „Besonders überrascht war ich, dass sich unsere blinde Crew völlig angstfrei in den Wind gelegt hatte.“ sagte Peter. „Das sofort ein intuitives Gefühl für Richtung, Wind und Geschwindigkeit vorhanden war. Da kann manch ein erfahrener Segler viel von Euch lernen.“ war zu hören.

Mit wieviel Liebe und Begeisterung dieser Tag von beiden Vereinen ehrenamtlich vorbereitet und durchgeführt wurde, das vorbehaltlose aufeinander Zugehen und gegenseitige Vertrauen bei einer für beide Seiten neuen Erfahrung. Das war Inklusion, wie wir es uns wünschen und zur nächsten Segelsaison treffen wir uns wieder!

(Quelle: Jens Fritzsch, Leiter KO Leipzig-Stadt, BSVS)